Bundesnetzagentur, DSA-Mängel

eBay-Verstöße: Bundesnetzagentur moniert drei DSA-Mängel

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 20:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesnetznetzagentur stellt bei eBay mehrere Verstöße gegen das EU-Digitalgesetz fest. Besonders Transparenz und Meldesysteme werden kritisiert.

eBay verstößt gegen EU-Digitalgesetz: Bundesnetzagentur rügt Mängel
Bundesnetzagentur - Digitale Waage mit Datenpunkten und Compliance-Symbolen, überlagert von einer subtilen Deutschlandkarte, die digitale Regulierung darstellt. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Bundesnetzagentur hat beim Online-Marktplatz eBay gleich mehrere Verstöße gegen das EU-Digitalgesetz (DSA) festgestellt. Nach einer Untersuchung, die im Januar 2026 begann, kamen die Behörden Ende Juni zu dem Ergebnis, dass der US-Konzern seine Pflichten gegenüber Nutzern und Händlern nicht ausreichend erfüllt.

Mängel bei Transparenz und Meldemechanismen

Die Regulierungsbehörde moniert drei zentrale Verstöße. Erstens: Das Meldesystem für illegale Inhalte ist auf dem Desktop nicht nutzerfreundlich genug. Der DSA schreibt jedoch vor, dass Plattformen ein leicht zugängliches Verfahren anbieten müssen, mit dem Nutzer verdächtige Inhalte schnell melden können.

Zweitens: Wenn eBay Inhalte löscht oder Konten sperrt, liefert das Unternehmen nach Ansicht der Behörde zu selten nachvollziehbare Begründungen. Dabei verlangt das Gesetz eine klare „Begründungspflicht" gegenüber betroffenen Nutzern.

Drittens: Die Rückverfolgbarkeit gewerblicher Verkäufer ist unzureichend. Informationen über professionelle Händler sind auf der Plattform nicht leicht zu finden – ein Verstoß gegen die DSA-Vorgaben, die Verbrauchern die Identifikation von Geschäftskunden ermöglichen sollen.

Strafen drohen – eBay zeigt sich gesprächsbereit

Die Ermittlungen gegen eBay waren nach Beschwerden von Nutzern und Hinweisen der französischen Verbraucherschutzbehörde DGCCRF eingeleitet worden. Bislang hat die Bundesnetzagentur noch kein Bußgeld verhängt, behält sich dies aber ausdrücklich vor. Auch Zwangsgelder sind möglich, sollte eBay die Mängel nicht beheben.

Anzeige

Während neue Digitalgesetze wie der DSA die Anforderungen verschärfen, bleibt die korrekte Dokumentation von Datenverarbeitungen das Rückgrat jeder Compliance-Strategie. Mit dieser kostenlosen Excel-Vorlage erstellen Sie Ihr rechtssicheres Verarbeitungsverzeichnis zeitsparend und vermeiden Bußgelder von bis zu 2 % des Jahresumsatzes. Kostenlose Muster-Vorlage und Anleitung jetzt herunterladen

Das Unternehmen reagierte zunächst versöhnlich. Man führe einen konstruktiven Dialog mit der Behörde und nehme die Verpflichtungen aus dem DSA ernst, ließ eBay mitteilen. Allerdings widerspricht der Konzern auch einigen Vorwürfen und bereitet eine formelle Stellungnahme vor.

Die Regulierungswelle trifft eBay in einer ohnehin turbulenten Phase: Der Konzern will die Social-Shopping-Plattform Depop für 1,2 Milliarden Euro übernehmen – die britischen Behörden prüfen den Deal noch. Zudem lehnte eBay erst im Mai ein Übernahmeangebot des GameStop-Chefs über 56 Milliarden Euro ab.

EU verschärft Gangart gegen Tech-Plattformen

Der Fall eBay ist kein Einzelfall. Die europäischen Behörden treiben die Durchsetzung des DSA und anderer Digitalgesetze massiv voran. Für US-Unternehmen bedeutet das: Sie müssen in der EU strenge Auflagen zu Beschwerdesystemen und Händlertransparenz erfüllen.

Verschärft wird die Lage durch ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 16. Juni 2026. Demnach können Plattformen, die Inhalte algorithmisch kuratieren oder empfehlen, als Kontrollinstanz betrachtet werden. Das könnte ihnen den sogenannten „Hosting-Schutz" entziehen – also die bisherige Immunität für Nutzerinhalte.

Anzeige

Die steigende Kontrolldichte zeigt, dass viele Unternehmen bei den komplexen Dokumentationspflichten noch erheblichen Nachholbedarf haben. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche häufig übersehenen Pflichtfelder Experten bei Prüfungen sofort ins Auge fallen und wie Sie diese lückenlos füllen. Gratis-Anleitung zum rechtssicheren Verarbeitungsverzeichnis sichern

Auch andere Tech-Giganten bekommen den Druck zu spüren:

  • Google: Am 2. Juli 2026 bestätigte ein Gericht eine Kartellstrafe von 4,1 Milliarden Euro.
  • X (ehemals Twitter): Ein Berliner Gericht kippte eine einstweilige Verfügung, die das Unternehmen zur Datenherausgabe an Forscher zwingen sollte – bestätigte aber die deutsche Zuständigkeit.
  • Social Media: Die EU-Kommission warnte Frankreich, dass ein geplantes Verbot sozialer Medien für unter 15-Jährige gegen den DSA verstoßen könnte. Ein EU-Expertenpanel soll am 13. Juli 2026 Empfehlungen für ein mögliches EU-weites Verbot vorlegen.

Die finanziellen Folgen für eBay sind derzeit noch überschaubar. Doch Anleger beobachten genau, wie schnell der Konzern die Auflagen erfüllt. Immerhin wurde eBay Ende Juni in die Russell-Wachstums- und Midcap-Indizes aufgenommen – trotz der laufenden regulatorischen Baustellen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69726244 |