Kohlenhydrate, Proteine

Kohlenhydrate: GemĂŒse und Proteine vorab senken den Blutzuckeranstieg um 29 %

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 07:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vollkorn, Ballaststoffe und die Kombination von Lebensmitteln beeinflussen SÀttigung und Blutzuckerverlauf stÀrker als einzelne NÀhrstoffe.
Nahaufnahme von unverarbeiteten Getreidekörnern und HĂŒlsenfrĂŒchten auf einem rustikalen Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Kohlenhydrate stellen fĂŒr den menschlichen Organismus den mengenmĂ€ĂŸig bedeutendsten NĂ€hrstoff und die zentrale Energiequelle dar. Trotz weitverbreiteter Vorbehalte in DiĂ€ttrends sollten sie nicht pauschal als Dickmacher eingestuft werden.

ErnĂ€hrungsmediziner Matthias Riedl vergleicht diesen MakronĂ€hrstoff mit Sprit fĂŒr den Motor. Nach EinschĂ€tzung von Claudia MĂŒller von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) sollte mehr als die HĂ€lfte der tĂ€glichen Energiezufuhr aus Kohlenhydraten stammen.

Mit einem physiologischen Brennwert von 4 kcal/g liefern Kohlenhydrate genauso viel Energie wie Proteine und halb so viel wie Fette. ÜberschĂŒssige Energie wird zunĂ€chst in Form von Glykogen in den Muskeln sowie in der Leber deponiert.

Erst wenn diese Speicherreserven erschöpft sind, wandelt der Körper die ĂŒberschĂŒssige Glukose in Fettgewebe um. Eine Gewichtszunahme resultiert demnach nicht aus dem Konsum einzelner NĂ€hrstoffe, sondern aus einem anhaltenden KalorienĂŒberschuss.

Komplexe Strukturen versus raffinierte Quellen

FĂŒr die gesundheitliche Bewertung ist vor allem die QualitĂ€t der Kohlenhydrate ausschlaggebend. Laut medizinischen LeitfĂ€den von MedlinePlus wird zwischen Zuckern, StĂ€rken und Ballaststoffen unterschieden. Einfach- und Zweifachzucker wie Glukose, Fruktose oder Saccharose gelangen rasch in den Blutkreislauf und bewirken starke Blutzuckerschwankungen. Komplexe Kohlenhydrate hingegen werden langsamer verstoffwechselt und halten lĂ€nger satt.

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Die DGE empfiehlt vor allem Vollkornprodukte, HĂŒlsenfrĂŒchte, GemĂŒse, Obst und Kartoffeln als Kohlenhydratquellen sowie eine tĂ€gliche Zufuhr von mindestens 30 g Ballaststoffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rĂ€t dazu, freie Zucker auf unter 10 % der Energiezufuhr zu begrenzen, besser noch auf unter 5 %.

Die von Karen Della Corte von der Brigham Young University gemeinsam mit 22 internationalen Forschern und dem International Carbohydrate Quality Consortium entworfene Nahrungspyramide misst der KohlenhydratqualitÀt ebenfalls eine zentrale Rolle bei.

Raffinierte Erzeugnisse lassen den Blutzucker besonders rasch ansteigen, da Enzyme wie Amylase bereits im Mund mit der StĂ€rkespaltung beginnen. So liefert eine mittelgroße Laugenbrezel von etwa 100 g rund 80 g Kohlenhydrate, was umgerechnet rund 27 ZuckerwĂŒrfeln von jeweils 3 g entspricht. Der Teig einer Pizza mit 32 Zentimetern Durchmesser schlĂ€gt mit circa 270 g Kohlenhydraten beziehungsweise etwa 90 WĂŒrfelzuckern zu Buche.

Mahlzeitengestaltung und wissenschaftliche Befunde

Einfluss auf die Glukosekurve nimmt auch die Kombination der Speisen. Ballaststoffe, Proteine und Fette verlangsamen die Absorption im Darm. In einer wissenschaftlichen Untersuchung verringerte der Verzehr von GemĂŒse und Proteinen vor den Kohlenhydraten den Blutzuckeranstieg nach 30 Minuten um etwa 29 % und nach 60 Minuten um 37 %.

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Zudem spielt die Zubereitungsform eine Rolle: Beim AbkĂŒhlen von gekochten Kartoffeln entsteht resistente StĂ€rke, was den Glukoseanstieg mindert. Eine Untersuchung an mehr als 205.000 Erwachsenen zeigte, dass der dreimal wöchentliche Verzehr von Pommes frites mit einem erhöhten Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes einherging, wĂ€hrend fĂŒr gekochte oder gebackene Kartoffeln kein signifikanter Zusammenhang bestand. Generell gilt Diabetes Typ 2 als multifaktoriell bedingt und nicht als alleinige Folge des Kohlenhydratkonsums.

ErnĂ€hrungsberaterin Carolin Kotke hĂ€lt Kohlenhydrate am Abend keineswegs fĂŒr verboten, empfiehlt jedoch, zwei bis drei Stunden vor der Nachtruhe keine schwer verdaulichen Mahlzeiten einzunehmen, um die SchlafqualitĂ€t nicht zu beeintrĂ€chtigen. Bei sportlichen Belastungen bleiben rasch verfĂŒgbare Kohlenhydrate unersetzlich: Bei intensiven Einheiten werden ab einer Dauer von 45 Minuten zwischen 30 und 60 g Kohlenhydrate pro Stunde angeraten.

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