Mittagsschlaf im Alter: TÀgliches Nickerchen mit 48 Prozent höherem Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 21:50 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmĂ€Ăiger Tagschlaf bei Ă€lteren Menschen steht zunehmend im Fokus der gerontologischen Forschung. Eine im Oktober 2026 im Fachjournal Journal of Gerontology: Medical Sciences online veröffentlichte Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health liefert neue Erkenntnisse ĂŒber den Zusammenhang zwischen TagesschlĂ€frigkeit und dem Auftreten kognitiver BeeintrĂ€chtigungen.
Anhand von Daten der National Health and Aging Trends Study wurden 995 Medicare-EmpfĂ€nger ab 65 Jahren ausgewertet, die im Jahr 2013 frei von Demenz waren und ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren beobachtet wurden.
Die Analyse ergab, dass ein hĂ€ufiger Mittagsschlaf â definiert als fast tĂ€glich oder tĂ€glich â mit einem um 48 Prozent höheren Demenzrisiko einherging als seltener oder gar kein Tagschlaf. Diese Assoziation blieb auch nach statistischer Bereinigung um demografische Faktoren, den allgemeinen Gesundheitszustand und die nĂ€chtliche Schlafdauer bestehen.
Unbeabsichtigtes Einschlafen als potenzieller Indikator
Im Verlauf des Beobachtungszeitraums von 2013 bis 2023 entwickelten 42 Prozent der 995 teilnehmenden US-Amerikaner eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz. Bei den Personen, die tÀglich ein Nickerchen hielten, zeigten sich bei 51 Prozent Anzeichen einer Demenz, verglichen mit 38 Prozent bei den Nicht-SchlÀfern.
Einen wesentlichen Unterschied machten die Forschenden der Johns Hopkins University bei der Art des Schlafens aus. WÀhrend ein unbeabsichtigtes Einnicken mit einem um 39 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden war, ergab sich bei geplanten Ruhepausen kein statistisch signifikanter Zusammenhang.
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Auch die Schlafdauer spielte eine Rolle: Nickerchen von 30 Minuten oder weniger wiesen anfangs ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko auf. Wurden jedoch die DemenzfĂ€lle der ersten fĂŒnf Beobachtungsjahre aus der Analyse ausgeschlossen, verlor dieser Effekt seine statistische Signifikanz.
Dagegen stieg das relative Risiko bei tĂ€glichem Mittagsschlaf nach diesem FĂŒnfjahres-Ausschluss sogar auf 75 Prozent an, wĂ€hrend die ZusammenhĂ€nge fĂŒr hĂ€ufiges und unbeabsichtigtes Schlafen weitgehend stabil blieben.
Grenzen der KausalitÀt und Àrztliche Einordnung
In den Vereinigten Staaten leben schĂ€tzungsweise 6,9 Millionen Ă€ltere Menschen mit einer Demenz. Das Forschungsteam der Johns Hopkins University wies jedoch auf methodische EinschrĂ€nkungen der Erhebung hin: Die Schlafgewohnheiten beruhten auf SelbstauskĂŒnften und es lagen keine standardisierten klinischen Diagnosebefunde vor.
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Die Autoren betonen daher, dass der Mittagsschlaf eher als möglicher biologischer Marker oder FrĂŒhindikator fĂŒr neurodegenerative Prozesse zu werten sei und die Daten keinen kausalen Beweis lieferten.
Fachleute aus der Psychologie heben hervor, dass Ursache und Wirkung anhand solcher Beobachtungsdaten nicht abschlieĂend geklĂ€rt werden können. Der britische Gesundheitsdienst NHS rĂ€t Betroffenen, bei ausgeprĂ€gter und hĂ€ufiger TagesschlĂ€frigkeit Ă€rztlichen Rat einzuholen, um mögliche Auslöser abzuklĂ€ren.
Parallele Befunde zu Schlafmustern und GefĂ€Ăgesundheit
ErgĂ€nzende Untersuchungen stĂŒtzen die Annahme, dass verĂ€nderte Schlafmuster eng mit degenerativen Prozessen im Gehirn verknĂŒpft sind. Eine gemeinsam Auswertung der University of Arizona und der University of Southern California bei ĂŒber 23.000 Erwachsenen zeigte, dass hĂ€ufiger Tagschlaf sowie Schlaflosigkeit und eine nĂ€chtliche Schlafdauer von unter sieben Stunden mit einem höheren Volumen weiĂer Materie-HyperintensitĂ€ten einhergingen. Diese LĂ€sionen gelten in der Neurologie als Indikatoren fĂŒr vorzeitige Hirnalterung sowie als mögliche PrĂ€diktoren fĂŒr Demenz und SchlaganfĂ€lle.
Auch eine internationale Beobachtungsstudie an 4447 Ă€lteren Personen in Vietnam mit einem Durchschnittsalter von rund 70 Jahren verdeutlichte den Einfluss der Schlafdauer: Ein regelmĂ€Ăiger Mittagsschlaf von 60 Minuten oder lĂ€nger war ĂŒber vier Jahre hinweg mit einer um 39 Prozent höheren Sterbewahrscheinlichkeit verbunden.
KĂŒrzere Ruhephasen unter einer halben Stunde zeigten dagegen keine statistisch signifikante AuffĂ€lligkeit. Auch hier wertete die Studienleitung lange Tagschlafphasen vor allem als Anzeichen fĂŒr bereits bestehende gesundheitliche BeeintrĂ€chtigungen.
