REM-Schlaf: 48 Minuten mehr pro Nacht senken das Risiko für 83 Krankheiten
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Altersmedizin gewinnen differenzierte Behandlungsansätze zunehmend an Bedeutung. Aktuelle medizinische Beiträge warnen vor den Risiken einer zu strikten Blutzuckereinstellung bei älteren Menschen mit Diabetes Typ 2. Parallel dazu belegen neuere Forschungsarbeiten die zentrale Rolle spezifischer Schlafphasen für die Vorbeugung schwerer chronischer Krankheiten im Alter.
Risiken einer zu strengen Blutzuckereinstellung
Bei älteren Patientinnen und Patienten mit Diabetes Typ 2 muss der Blutzucker oft nicht mehr denselben strengen Zielwerten folgen wie bei jüngeren Betroffenen. Fachleute weisen darauf hin, dass übermäßig niedrige Blutzuckerwerte erhebliche gesundheitliche Gefahren bergen.
Neben akuten Hypoglykämien drohen insbesondere Herzrhythmusstörungen und ein erhöhtes Sturzrisiko, das bei älteren Menschen schnell zu schweren Folgeverletzungen und Immobilität führen kann. Die Therapieziele müssen daher individuell angepasst und an der allgemeinen Konstitution der Betroffenen ausgerichtet werden.
Die Schutzwirkung des REM-Schlafs
Neben metabolischen Steuerungen rückt die Schlafarchitektur als Schlüsselfaktor für die Gesundheit im Alter in den Mittelpunkt. Eine 2026 im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung der Universität Peking analysierte Daten von rund 100.000 Menschen aus der UK Biobank.
Die Teilnehmenden trugen eine Woche lang Messarmbänder; der Nachbeobachtungszeitraum betrug neun Jahre, in denen das Auftreten von etwa 1.000 Krankheiten erfasst wurde.
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Die Ergebnisse zeigen, dass rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht das Risiko für 83 verschiedene Erkrankungen messbar senkten. Im Detail war ein längerer REM-Schlaf mit einer Verringerung des Risikos für ein Parkinson-Syndrom um 80 Prozent, für Multiple Sklerose um 52 Prozent, für Demenz um 46 Prozent und für Herzinsuffizienz um 26 Prozent verbunden.
Zugleich zeigte sich eine deutliche Abhängigkeit von der Gesamtschlafdauer: Eine Schlafdauer von mehr als acht Stunden erhöhte das Depressionsrisiko um 60 Prozent, während weniger als sechs Stunden Schlaf das Risiko für Herzinsuffizienz um 30 Prozent steigerten.
Schlafdauer und vaskuläre Folgeschäden bei Diabetes
Die Schlafdauer steht zudem in einer direkten Wechselwirkung mit diabetischen Folgeerkrankungen. Eine im Fachjournal Journal of the Endocrine Society erschienene Studie untersuchte 678 japanische Typ-2-Diabetiker im Alter zwischen 25 und unter 70 Jahren über einen Zeitraum von 6,0 ± 2,7 Jahren. Dabei erreichten 215 Teilnehmende den Endpunkt einer neu auftretenden oder fortschreitenden diabetischen Nephropathie.
Gegenüber einer Schlafdauer von unter sechs Stunden zweigten sich adjustierte Gefahrenraten von 1,08 bei sechs bis unter sieben Stunden, 1,56 bei sieben bis unter acht Stunden sowie 1,92 bei acht oder mehr Stunden. Diese Assoziation erwies sich bei älteren Personen sowie bei bestehender Mikroalbuminurie oder eingeschränkter Nierenfunktion als besonders ausgeprägt.
Ergänzend belegte eine prospektive Kohortenstudie an 1.236 chinesischen Typ-2-Diabetikern im Fachblatt Sleep Medicine einen U-förmigen Zusammenhang: Sowohl eine kurze Schlafdauer von unter sieben Stunden (plus 71 Prozent) als auch eine lange Schlafdauer von über zehn Stunden (plus 87 Prozent) gingen mit einem erhöhten Risiko für mikrovaskuläre Komplikationen einher, während das geringste Risiko bei sieben bis acht Stunden Schlaf lag.
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Nichtmedikamentöse Strategien im Alltag
Um die Schlafqualität und damit metabolische wie neurologische Parameter zu stabilisieren, empfehlen Fachleute vorrangig nichtmedikamentöse Maßnahmen. Bei chronischer Insomnie gilt die kognitive Verhaltenstherapie als Behandlungsstandard. Zudem spielt die Lichtexposition eine entscheidende Rolle für den Biorhythmus.
Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik mit über 190 Erwachsenen ergaben, dass nur 24 Prozent der erfassten Tagesminuten den empfohlenen Lichtwert erreichten, während es vor dem Einschlafen häufig zu hell war.
Da ungünstige Lichtverhältnisse die innere Uhr stören und Beobachtungsstudien Verknüpfungen mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufzeigen, bilden gezielte Schlafhygiene und natürliche Tageslichtexposition zentrale Säulen der Prävention.
Mehr zum Thema bei WELT: „Gesunder Schlaf: Diese Schlafphase entscheidet über das Risiko für 83 Krankheiten“
