REM-Schlaf, Minuten

REM-Schlaf: 48 Minuten mehr senken das Risiko für 83 Krankheiten

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verknüpfen Tiefschlafverlust, kurze oder unregelmäßige Nächte mit höheren Gesundheitsrisiken; ein KI-Modell schätzt Krankheitswahrscheinlichkeiten.
Ein ungemachtes, einladendes Bett in einem schlafzimmer mit sanftem, natürlichem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen identifizieren den Tiefschlaf zunehmend als unverzichtbare nächtliche Reparaturphase des menschlichen Körpers. Die Qualität dieser Erholungszeit sowie die Struktur der einzelnen Schlafstadien nehmen maßgeblichen Einfluss auf das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen und das biologische Altern.

Neurodegenerative Prozesse und die Rolle der Schlafphasen

Untersuchungen verdeutlichen den Stellenwert spezifischer Schlafphasen für das Nervensystem. Eine in JAMA Neurology veröffentlichte Studie an 346 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren, zwei Schlafuntersuchungen im Abstand von rund fünf Jahren und einem Beobachtungszeitraum von bis zu 17 Jahren zeigte, dass ein schnellerer Verlust des Tiefschlafs mit einem höheren Demenzrisiko einhergeht.

Bei später an Demenz Erkrankten verringerte sich der Anteil des Tiefschlafs etwa doppelt so schnell wie bei gesunden Teilnehmern, während die gesamte Schlafdauer unverändert blieb. Fachleute führen dies unter anderem darauf zurück, dass der Tiefschlaf den Abbau von Amyloid-beta begünstigen könnte, das mit der Pathologie der Alzheimer-Krankheit verknüpft ist.

Parallel dazu belegt eine an der Universität Peking durchgeführte und in PLOS Medicine erschienene Auswertung von Daten von rund 100.000 Teilnehmenden der UK Biobank über einen Zeitraum von neun Jahren und 1000 Krankheiten die Bedeutung des REM-Schlafs, der 20 bis 25 Prozent des Schlafs gesunder Erwachsener ausmacht.

Rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht reduzierten demnach das Risiko für 83 Krankheiten. Konkret sank das Risiko für ein Parkinson-Syndrom um 80 Prozent, für Multiple Sklerose um 52 Prozent, für Demenz um 46 Prozent und für Herzinsuffizienz um 26 Prozent.

Schlafdauer, biologisches Altern und Herz-Kreislauf-Risiken

Neben der Schlafarchitektur steht die Gesamtschlafdauer im Fokus der Forschung. Eine Beobachtungsstudie der Columbia University auf Basis von rund 500.000 Datensätzen untersuchte anhand von 23 biologischen Alterungsuhren 17 Organsysteme. Die günstigsten Werte zeigten sich bei einer Schlafdauer zwischen 6,4 und 7,8 Stunden.

Sowohl bei weniger als 6 als auch bei mehr als 8 Stunden traten in fast allen Organsystemen, darunter Gehirn, Herz, Lunge und Immunsystem, Anzeichen einer beschleunigten biologischen Alterung auf. Kurzer Schlaf war zudem mit Depressionsepisoden, Angststörungen, Adipositas, Typ-2-Diabetes, Hypertonie, koronarer Herzkrankheit und Herzrhythmusstörungen assoziiert.

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Auch die Auswertung der Universität Peking ergab, dass Schlafdauern außerhalb des optimalen Bereichs Risiken bergen: Schlafzeiten von mehr als 8 Stunden steigerten das Depressionsrisiko um 60 Prozent, während weniger als 6 Stunden Schlaf das Risiko für Herzinsuffizienz um 30 Prozent erhöhten.

Zusätzlich belegen vorläufige Daten einer Untersuchung im Rahmen der Scientific Sessions 2026 der American Heart Association an 10.362 Erwachsenen mit einem Altersdurchschnitt von 53 Jahren und mehr als einer Million analysierten Nächten den Einfluss unregelmäßiger Schlafmuster. Nächtliche Schwankungen der Schlafdauer steigerten das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz um 20 bis 23 Prozent.

Jede Zunahme der Variabilität um 29 Minuten erhöhte das kombinierte kardiovaskuläre Risiko um 24 Prozent, das Risiko für Kardiomyopathien um 29 Prozent und das für Herzinsuffizienz um 20 Prozent. Ein höherer Anteil vollständiger Schlafzyklen war hingegen mit einer Reduktion des Vorhofflimmerns um 28 Prozent verknüpft.

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Früherkennung und präventive Maßnahmen

Die diagnostische Bedeutung von Schlafdaten verdeutlicht ein an der Universität Stanford entwickeltes KI-Modell namens SleepFM, das in Nature Medicine publiziert wurde.

Nach einem Training mit über 585.000 Aufzeichnungsstunden von rund 65.000 Personen kann das System aus einer einzigen polysomnografischen Nacht das Sechs-Jäher-Risiko für 130 Krankheiten vorhersagen. Das Modell erreichte hohe Vorhersagewerte, unter anderem einen C-Index von 0,85 für Demenz, 0,93 für Parkinson und 0,81 für Myokardinfarkte.

Angesichts der weitreichenden Auswirkungen rücken Experten präventive Routinen in den Mittelpunkt. Schlafforscher verweisen darauf, dass der individuelle Schlafbedarf bei rund 80 Prozent der Menschen zwischen 7 und 9 Stunden liegt.

Um Schlafunterbrechungen durch nächtlichen Harndrang zu vermeiden, raten Urologen dazu, die Flüssigkeitsaufnahme drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen einzustellen, da häufiges Erwachen die notwendigen Tiefschlafphasen fragmentiert.

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