Windows-Tracker GDID: Microsoft überwacht 1,6 Milliarden Nutzer
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 19:36 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein geheimer Geräte-Identifikator namens Global Device Identifier (GDID) erfasst Daten von rund 1,6 Milliarden Windows-Nutzern – ohne Möglichkeit zur Deaktivierung.
Die unsichtbare Spur im System
Der GDID ist kein gewöhnlicher Tracking-Code. Er ist tief in der Hardware verankert und überlebt selbst eine komplette Neuinstallation des Betriebssystems. Selbst wenn Nutzer alle Telemetrie-Einstellungen deaktivieren, bleibt der Identifikator aktiv. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bundesklageverfahren hervor, das die Existenz des Trackers ans Licht brachte.
Besonders heikel: Wer sich nach einer Neuinstallation mit seinem Microsoft-Konto anmeldet, stellt damit eine direkte Verbindung zum vorherigen GDID her. Die Tracking-Historie bleibt also erhalten – selbst nach einer vermeintlichen „Säuberung" des Systems.
Während Unternehmenskunden mit Enterprise-Versionen von Windows 11 zumindest erweiterte Sicherheitskontrollen für Telemetriedaten erhalten, fehlt Privatanwendern bislang jede administrative Möglichkeit, den Tracker abzuschalten.
FBI nutzt GDID zur Verbrecherjagd
Die praktische Reichweite des Identifikators zeigte sich zuletzt in einem spektakulären Fall. Der FBI gelang die Festnahme des Ransomware-Verdächtigen Peter Stokes – maßgeblich durch die Verfolgung seines GDID.
Der Tracker erwies sich als besonders wertvoll, weil er unabhängig von IP-Adressen und Standorten funktioniert. Selbst als der Verdächtige mehrfach seinen Standort wechselte und VPN-Dienste nutzte, blieb die digitale Spur stabil. Der Grund: Der GDID ist an Hardware-Merkmale gebunden, nicht an Netzwerkkonfigurationen.
Was Nutzer jetzt tun können
Ein vollständiger Opt-out ist nicht möglich. Experten empfehlen jedoch, zumindest die Datenmenge zu begrenzen. Der Umstieg auf ein lokales Konto und die Beschränkung der Diagnosedaten auf die Einstellung „Erforderlich" können helfen. Zusätzlich sollten personalisierte Erlebnisse, der Aktivitätsverlauf und bestimmte App-Berechtigungen in den Windows-Privatsphäre-Einstellungen deaktiviert werden.
Die Enthüllung fällt zeitlich mit Microsofts Juli-Patchday zusammen. Das Unternehmen hat unter anderem die Point-in-Time-Wiederherstellung für Windows 11 Home und Pro standardmäßig aktiviert – vorausgesetzt, das System verfügt über mindestens 200 Gigabyte Speicher. Neu ist auch eine Bildschirmtönung für bessere Barrierefreiheit sowie eine Kalender-basierte Update-Pause, die sich auf bis zu 35 Tage verlängern lässt.
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Sicherheitswarnung: KI-gestützte Angriffe in Stunden
Seit dem 14. Juli 2026 hat Microsoft zudem die Unterstützung für die RC4-Verschlüsselung bei Kerberos eingestellt – ein Schritt zur Stärkung der Authentifizierungssicherheit. Jeremy Chapman, Director bei Microsoft 365, warnt eindringlich vor der Geschwindigkeit moderner Bedrohungen. Unternehmenseigene Daten zeigen, dass KI-gestützte Werkzeuge ungepatchte Sicherheitslücken innerhalb von Stunden ausnutzen können. Seine Empfehlung: Kritische Sicherheitsupdates sollten nicht länger als drei Tage aufgeschoben werden.
Weitere Sicherheitslücken im Juli
Die Windows-Sicherheitslandschaft bleibt angespannt. Mit CVE-2026-3006 wurde eine Race-Condition-Schwachstelle im WinFsp-Kernel-Treiber entdeckt. Die Lücke betrifft Version 2.1.25156 und älter und könnte lokalen Angreifern SYSTEM-Rechte verschaffen. Ein Patch ist inzwischen auf GitHub verfügbar, nachdem die Cyber Security Agency of Singapore die Schwachstelle gemeldet hatte.
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In einem separaten Vorfall haben Google und Microsoft die Browser-Erweiterung ModHeader aus ihren Stores entfernt. Forscher hatten darin einen versteckten Datensammler entdeckt. Die Erweiterung mit 1,6 Millionen Installationen war in der Lage, den Browserverlauf auszulesen. Sie wurde am 3. Juli aus dem Microsoft Edge Add-ons Store und am 10. Juli aus dem Chrome Web Store entfernt.
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