Frankreich, Wahl

Le Pen will PrĂ€sidentin werden – Wie stehen ihre Chancen?

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 20:51 Uhr, dpa.de

Aller VorwĂŒrfe zum Trotz will Marine Le Pen fĂŒr das französische PrĂ€sidentenamt kandidieren. Was heißt das fĂŒr die Wahl? Könnte die Rechtsnationale im vierten Anlauf wirklich gewinnen?

  • Marine Le Pen will Frankreichs nĂ€chste PrĂ€sidentin werden. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa
    Marine Le Pen will Frankreichs nÀchste PrÀsidentin werden. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa
  • Wer genau gegen Le Pen antreten wird, ist noch nicht klar. (Archivbild) - Bild: Thomas Padilla/AP/dpa
    Wer genau gegen Le Pen antreten wird, ist noch nicht klar. (Archivbild) - Bild: Thomas Padilla/AP/dpa
  • Zu erwarten ist, dass Le Pen das Gerichtsverfahren gegen sie im Wahlkampf stark zum Thema machen wird. (Archivbild) - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Zu erwarten ist, dass Le Pen das Gerichtsverfahren gegen sie im Wahlkampf stark zum Thema machen wird. (Archivbild) - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
Marine Le Pen will Frankreichs nÀchste PrÀsidentin werden. (Archivbild) - Bild: Michel Euler/AP/dpa Wer genau gegen Le Pen antreten wird, ist noch nicht klar. (Archivbild) - Bild: Thomas Padilla/AP/dpa Zu erwarten ist, dass Le Pen das Gerichtsverfahren gegen sie im Wahlkampf stark zum Thema machen wird. (Archivbild) - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa

FĂŒr die französische Rechtsnationale Marine Le Pen ist es ein gewagter Zug: Trotz ihrer Verurteilung will die 57-JĂ€hrige Frankreichs nĂ€chste PrĂ€sidentin werden. Ihre Kandidatur fĂŒr das Rassemblement National (RN) bei der Wahl im kommenden FrĂŒhjahr verkĂŒndete sie nur wenige Stunden, nachdem sie in einer AffĂ€re um EU-Gelder und mögliche ScheinbeschĂ€ftigung schuldig gesprochen worden war. Außerdem erklĂ€rte sie, gegen ihre Verurteilung Revision einzulegen. Was man zu der Wahl und Le Pens Aussichten wissen muss:

Wie lÀuft die Wahl ab?

Das französische Staatsoberhaupt wird direkt vom Volk gewÀhlt und benötigt die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Da in der Regel keiner der Kandidatinnen und Kandidaten auf Anhieb mehr als 50 Prozent bekommt, fÀllt die Entscheidung sodann in einer Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Die Wahl findet am 18. April und 2. Mai 2027 statt.

Wie stehen Le Pens Chancen?

Le Pens Chancen, in die Stichwahl einzuziehen, sind wohl ziemlich gut. In den Umfragen liegt sie seit Monaten mit gut ĂŒber 30 Prozent deutlich vor allen möglichen Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien. Allerdings sind die anderen Lager noch nicht vollstĂ€ndig sortiert. Wer genau gegen Le Pen antreten wird, ist unklar, aber entscheidend fĂŒr ihre Aussicht, tatsĂ€chlich PrĂ€sidentin zu werden.

Sollte es der Linkspopulist Jean-Luc MĂ©lenchon in die Stichwahl schaffen, wie von Mitte-Politikern immer wieder als Schreckszenario gezeichnet, hĂ€tte Le Pen womöglich vergleichsweise gute Chancen, den Sieg einzufahren. Bei einem Kandidaten aus der linken oder bĂŒrgerlich-rechten Mitte dĂŒrfte dies schwieriger werden. Denn auch wenn Le Pen dank ihres «Entteufelungskurses» mittlerweile bis weit in die bĂŒrgerliche Mitte wĂ€hlbar geworden ist, stĂ¶ĂŸt sie in Teilen der Bevölkerung und auch in der Wirtschaft noch immer auf harte Ablehnung.

Wie hat Le Pen bisher bei Wahlen abgeschnitten?

FĂŒr Le Pen ist es bereits der vierte Anlauf auf den ÉlysĂ©e-Palast. Bei ihrer ersten Kandidatur 2012 landete sie in der ersten Wahlrunde mit 17,90 Prozent der Stimmen auf Platz Drei. 2017 und 2022 verlor sie in der Stichwahl gegen Emmanuel Macron mit 33,90 beziehungsweise 41,45 Prozent der Stimmen.

Lauern noch Gefahren wegen des Urteils?

Ja. Zwar möchte Le Pen gegen ihre Verurteilung Revision einlegen. Das Berufungsurteil wĂ€re dann nicht mehr rechtskrĂ€ftig, womit die Verurteilung zu einem Jahr Haft mit Fußfessel zunĂ€chst nicht greift. In Juristenkreisen ist aber umstritten, ob der fĂŒnfjĂ€hrige mit vorlĂ€ufiger Anwendung verhĂ€ngte Entzug des passiven Wahlrechts aus erster Instanz dann wieder greifen wĂŒrde. In diesem Fall könne Le Pen nicht als Kandidatin antreten. Wie sie im Interview des Senders TF1 sagte, geht sie allerdings davon aus, dass dies nicht der Fall ist.

Wie wird sie sich darstellen?

Zu Le Pens Bild als Mutter der Nation wird sich nun wohl ein weiteres gesellen: Das der Überlebenden. Sie könnte versuchen, den Prozess auszuschlachten und sich als MĂ€rtyrerin, als Opfer der von ihr heftig angegriffenen Justiz und gar als Phönix, auferstanden aus der Asche, darzustellen.

Im Gegensatz zu RN-Parteichef Jordan Bardella steht Le Pen nicht fĂŒr einen Neuanfang, sondern trĂ€gt das Erbe ihres rechtsextremen Vaters und ParteigrĂŒnders mit sich. WĂ€hrend sie sich in der Vergangenheit im Wahlkampf oft ungeschickt anstellte, fĂŒrchten die politischen Gegner sie dennoch als die deutlich gefĂ€hrlichere Gegenspielerin.

Wieso kommt die Entscheidung ĂŒber die Kandidatur jetzt?

Am frĂŒhen Nachmittag hat ein Pariser Berufungsgericht sein Urteil in einem Verfahren gegen Le Pen und andere gefĂ€llt. Le Pen wollte davon abhĂ€ngig machen, ob sie antritt oder nicht, auch weil das juristisch nicht in jedem Fall möglich gewesen wĂ€re.

In dem Prozess um den Vorwurf der ScheinbeschĂ€ftigung von Assistenten von Europaabgeordneten sprach das Gericht Le Pen der Veruntreuung öffentlicher Gelder schuldig. Es verurteilte sie zu drei Jahren Haft, davon zwei auf BewĂ€hrung und eins zu Hause mit Fußfessel. Auch soll sie 100.000 Euro Strafe zahlen. Das Gericht entzog ihr zudem das passive Wahlrecht fĂŒr 15 Monate und verhĂ€ngte weitere 30 Monate auf BewĂ€hrung.

Welche Befugnisse hat der PrÀsident in Frankreich?

Der französische PrĂ€sident hat sehr viel Macht und ist deutlich einflussreicher als der Regierungschef des Landes. Er ist Armeechef, kann ĂŒber MilitĂ€reinsĂ€tze und den Gebrauch von Atomwaffen entscheiden. FĂŒr lĂ€ngere EinsĂ€tze oder eine KriegserklĂ€rung benötigt er das Okay des Parlaments. Er ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag hin die ĂŒbrige Regierung.

Der Staatschef leitet die wöchentliche Kabinettssitzung, in der etwa ĂŒber GesetzesvorschlĂ€ge beraten wird. Gesetze verabschiedet das Parlament. Der PrĂ€sident kann die Nationalversammlung auflösen und Referenden ansetzen. In Gefahrensituationen gewĂ€hrt die Verfassung ihm nahezu volle Kontrolle ĂŒber den Staat.

Vor dem Hintergrund der MachtfĂŒlle des französischen PrĂ€sidenten blicken BrĂŒssel und Berlin mit Sorge auf einen möglichen Sieg der euroskeptischen und nationalistischen Le Pen.

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