Marine Le Pen: Kandidiere bei PrÀsidentschaftswahl 2027
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 20:14 Uhr, dpa.deTrotz ihrer Verurteilung kandidiert Frankreichs fĂŒhrende Rechtsnationale Marine Le Pen fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl im kommenden Jahr. Sie werde gegen ihre Verurteilung Revision einlegen und als Kandidatin antreten, sagte die 57-JĂ€hrige dem Sender TF1. «Heute Abend bin ich Kandidatin fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl.» Den Rechtsnationalen werden gute Chancen zugerechnet, bei der Wahl im kommenden FrĂŒhjahr in die entscheidende Stichwahl einzuziehen. Le Pens Kandidatur ist juristisch allerdings mit Risiken verbunden.
Le Pen hat Wahlergebnis stetig gesteigert
Am frĂŒhen Nachmittag hatte ein Berufungsgericht Le Pen in einem Verfahren um ScheinbeschĂ€ftigung und EU-Gelder schuldig gesprochen. Es verhĂ€ngte ein Jahr Haft mit FuĂfessel und entzog ihr das passive Wahlrecht fĂŒr 15 Monate. Diese hat Le Pen seit dem Urteil in erster Instanz aber bereits verbĂŒĂt. Weitere 30 Monate sind auf BewĂ€hrung ausgesetzt. Auch weil eine Kandidatur nicht in jedem Fall möglich gewesen wĂ€re, hatte Le Pen die Entscheidung von dem Urteil abhĂ€ngig machen wollen.
Marine Le Pen ist bereits dreimal bei der PrĂ€sidentschaftswahl in Frankreich angetreten. WĂ€hrend sie 2012 noch auf dem dritten Platz landete, konnte sie in den vergangenen Jahren deutlich an Zuspruch gewinnen. Sowohl 2017 als auch 2022 landete sie gegen Mitte-Kandidat Emmanuel Macron in der Stichwahl â und verlor gegen den politischen Senkrechtstarter beziehungsweise bisherigen PrĂ€sidenten.
Dennoch steigerte Le Pen ihr Ergebnis bei jeder Wahl. Dass sie auch 2022 so deutlich gegen Macron verlor, ist dem Umstand geschuldet, dass viele aus dem linken Lager Macron wÀhlten, um Le Pens Sieg um jeden Preis zu verhindern.
Frankreichs PrÀsident hat viel Macht
Der französische PrĂ€sident wird auf fĂŒnf Jahre direkt vom Volk gewĂ€hlt. FĂŒr die Wahl ist eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen notwendig. In der Regel fĂ€llt die Entscheidung daher in einer Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Die Wahl dĂŒrfte im kommenden April und Mai stattfinden.
Frankreichs Staatsoberhaupt ist deutlich mĂ€chtiger als der deutsche BundesprĂ€sident. Er ist Armeechef, kann ĂŒber MilitĂ€reinsĂ€tze und den Gebrauch von Atomwaffen entscheiden. Er ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag hin die ĂŒbrige Regierung. Der PrĂ€sident kann die Nationalversammlung auflösen und Referenden ansetzen. In Gefahrensituationen gewĂ€hrt die Verfassung ihm nahezu volle Kontrolle ĂŒber den Staat.
Aus Berlin und BrĂŒssel wird mit Sorge auf einen möglichen Sieg der euroskeptischen und nationalistischen Le Pen geschaut.
