Frist endet: Wie es fĂŒr Trumps Iran-Offensive weitergeht
30.04.2026 - 05:30:06 | dpa.deDie Uhr fĂŒr Donald Trump tickt: Bald lĂ€uft die Frist aus, in der der US-PrĂ€sident auf eigene Faust den Einsatz des US-MilitĂ€rs gegen den Iran befehligen darf. Danach brĂ€uchte er die Einwilligung des Kongresses â zumindest in der Theorie. Wann genau es so weit ist, ob mit Ablauf des 30. April oder des 1. Mai, ist wegen verschiedener möglicher ZĂ€hlweisen nicht ganz klar. Wie geht es danach weiter im Iran-Krieg, in dem zurzeit eine Waffenruhe gilt? Ein Ăberblick:
Auf welcher Grundlage endet die Frist fĂŒr Trump?
Die Frist fĂŒr den PrĂ€sidenten geht auf das Gesetz War Powers Resolution zurĂŒck, das 1973 infolge des Vietnamkriegs verabschiedet wurde. Es soll die verfassungsrechtliche Gewaltenteilung sichern: WĂ€hrend der PrĂ€sident als Oberbefehlshaber die Truppen befehligt, darf allein der Kongress einen Krieg erklĂ€ren und finanzieren. Die «New York Times» fasst es so zusammen: «PrĂ€sidenten haben die Kontrolle ĂŒber die DurchfĂŒhrung von Kriegen, aber sie entscheiden nicht darĂŒber, ob das Land in den Krieg zieht.»
Das Gesetz verpflichtet den PrĂ€sidenten, den Kongress binnen 48 Stunden nach Start einer Offensive ĂŒber MilitĂ€reinsĂ€tze zu informieren. Trump informierte das Parlament am 2. MĂ€rz, nachdem der Krieg am 28. Februar begonnen hatte.
Ohne förmliche Zustimmung des Kongresses mĂŒssen die Kampfhandlungen nach 60 Tagen eingestellt werden. Damit soll verhindert werden, dass die USA in langwierige, nicht legitimierte EinsĂ€tze hineingezogen werden.
Wann genau diese Frist im aktuellen Fall auslÀuft, ist nicht ganz klar. Je nach ZÀhlweise könnten die im Gesetzestext genannten 60 Tage in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai oder in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai enden (jeweils 0.00 Uhr Ortszeit, 6.00 Uhr in Deutschland).
Dann wĂ€re Trump gezwungen, die amerikanischen Truppen schrittweise abzuziehen. Auch wenn derzeit ein Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran besteht, wĂŒrde das dennoch fĂŒr die SeestreitkrĂ€fte und Schiffe gelten, die fĂŒr die Aufrechterhaltung der US-Blockade iranischer HĂ€fen zustĂ€ndig sind.
Bedeutet das automatisch, dass die US-Offensive beendet wird?
Nein. Zwar erlischt die rechtliche Grundlage fĂŒr offensive SchlĂ€ge mit Ablauf der 60-Tage-Frist. In der Praxis gibt es aber drei Szenarien, wie die Offensive weitergehen könnte:
- Die 30-Tage-Frist: Das Gesetz gewĂ€hrt eine einmalige Karenzzeit von 30 Tagen. Grundlage dafĂŒr ist, dass der PrĂ€sident eine «unvermeidbare militĂ€rische Notwendigkeit» fĂŒr den weiteren Einsatz der StreitkrĂ€fte feststellt, um Truppen sicher abziehen zu können. Der Oberbefehlshaber muss den Kongress schriftlich darĂŒber informieren. Kritiker befĂŒrchten, dass Trump diese Phase fĂŒr neue Manöver nutzen könnte, die faktisch die Offensive fortsetzen wĂŒrden.
- ErklĂ€rung der Selbstverteidigung: Der PrĂ€sident kann argumentieren, dass die nationale Sicherheit unmittelbar bedroht ist. In diesem Fall beansprucht das WeiĂe Haus oft Vorrang vor dem Gesetz.
- Politisches Patt: Setzt Trump die Offensive weiter fort, kann der Kongress die Finanzierung stoppen und damit den Krieg stoppen. Dagegen könnte Trump allerdings ein Veto einlegen. Um dieses zu brechen, brĂ€uchte das Parlament dann zwei Drittel der Stimmen aller anwesenden Kongressabgeordneten und Senatoren. Da die Republikaner eine hauchdĂŒnne Mehrheit in beiden Kammern haben, gilt das als unwahrscheinlich.
Die «New York Times» rechnet fest damit, dass «Trump und die republikanischen Mehrheiten im ReprĂ€sentantenhaus und im Senat das Gesetz ignorieren werden.» Stattdessen dĂŒrften sie Umschreibungen fĂŒr die US-Offensive suchen, mit denen sie die Kampfhandlungen fĂŒr sich legitimieren. Damit könnte sich die Auseinandersetzung ĂŒber die RechtmĂ€Ăigkeit des Iran-Kriegs kĂŒnftig vor Gericht verlagern. Demokraten arbeiten bereits an Klagen, um den Krieg zu stoppen.
WÀre Trump der erste PrÀsident, der den Kongress umgeht?
Keineswegs. In der Praxis hat sich das Gesetz seit seiner Verabschiedung als wenig wirksam erwiesen: Vage Formulierungen, zahlreiche Ausnahmen und immer neue Schlupflöcher haben es PrĂ€sidenten erleichtert, die Vorgaben zu umgehen. Bill Clinton etwa setzte 1999 die Luftangriffe im Kosovo ĂŒber die 60-Tage-Frist hinaus fort.
Auch Barack Obama argumentierte 2011 beim Einsatz in Libyen, dass «die US-Operationen weder anhaltende Kampfhandlungen noch aktive Feuergefechte mit feindlichen KrĂ€ften beinhalten und auch keine US-Bodentruppen zum Einsatz kommen». Die Entscheidung rief damals parteiĂŒbergreifend Kritik hervor.
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