AuslĂ€nder sehen Schuld fĂŒr Krieg oft nicht nur bei Russland
07.12.2025 - 04:30:06Der Rechtsextremismus in Deutschland beunruhigt Menschen ohne Migrationshintergrund noch stĂ€rker als Zuwanderer und ihre direkten Nachkommen. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zum Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft.Â
Unterschiede zwischen Deutschen mit und ohne auslĂ€ndische Wurzeln gibt es demnach auch, was die Sicht auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und antisemitische Vorurteile und Vorbehalte gegen Homosexuelle angeht.Â
FĂŒr die reprĂ€sentative Untersuchung waren von Anfang Oktober 2024 bis Ende Januar bundesweit rund 3.000 Menschen befragt worden, unter ihnen 1.007 AuslĂ€nderinnen und AuslĂ€nder sowie 1.003 Menschen mit Migrationshintergrund, die selbst im Ausland geboren wurden oder mindestens einen Elternteil haben, auf den das zutrifft.
Laut Studie stimmen knapp drei Viertel (74 Prozent) der Deutschen ohne familiĂ€re Einwanderungsgeschichte der Aussage «Der Rechtsextremismus in Deutschland macht mir Angst» zu, wobei 46 Prozent völlig und 28 Prozent eher zustimmen. Auch knapp zwei Drittel (66 Prozent) der Deutschen mit Migrationshintergrund treibt diese Angst um. Unter den hierzulande lebenden AuslĂ€ndern sind es 55 Prozent.Â
Am hĂ€ufigsten Ă€uĂern sich in der Untersuchung Menschen mit Wurzeln in der TĂŒrkei und in Russland besorgt ĂŒber den Rechtsextremismus in Deutschland. Deutlich geringer ist der Anteil demnach unter Menschen polnischer Herkunft.
Unterschiedliche Sichtweisen auf Ukraine-Krieg
Dass Russland alleine schuld am Krieg in der Ukraine ist, glauben laut Studie lediglich 38 Prozent der AuslĂ€nderinnen und AuslĂ€nder, die in Deutschland leben. Unter den Deutschen mit Migrationshintergrund ist der Anteil derjenigen, die diese Auffassung teilen, Ă€hnlich (39 Prozent). Dagegen sieht eine Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen ohne auslĂ€ndische Wurzeln die Schuld fĂŒr den seit Februar 2022 andauernden Krieg alleine bei Russland.
Antisemitische Vorurteile
Um antisemitische Einstellungen zu messen, waren die Teilnehmer der Umfrage aufgefordert, sich zu der Aussage «Juden kann man nicht trauen» zu positionieren. Jeder zehnte befragte AuslÀnder und neun Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund stimmte hier den Angaben zufolge zu. Unter den Deutschen ohne Einwanderungsgeschichte war der Anteil derjenigen, die diese Aussage teilen, mit vier Prozent niedriger.
Unterschiede gibt es laut Studie auch, wenn man einzelne Herkunftsregionen betrachtet. Demnach misstraute zum Zeitpunkt der Befragung rund ein Viertel (26 Prozent) der TĂŒrkeistĂ€mmigen jĂŒdischen Menschen. Bei einer entsprechenden Befragung im Jahr 2015 waren es 18 Prozent gewesen.Â
Der Anstieg dĂŒrfte mit dem Krieg im Gazastreifen zu tun haben, der nach dem terroristischen Ăberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 begonnen hatte. In 6.236 FĂ€llen wurde in der Eingangsstatistik der Polizei im Jahr 2024 ein mutmaĂlich antisemitisches Motiv aktenkundig.Â
Von den insgesamt 7.328 politisch motivierten Straftaten, die die Polizei den Unterthemenfeldern «Israel» und «PalĂ€stina» zugeordnet hat, sah sie in 2.832 FĂ€llen eine antisemitische Tatmotivation. Ein groĂer Teil der 793 politisch motivierten Gewaltstraftaten, die im Kontext des Nahost-Konflikts polizeibekannt wurden, stand in Zusammenhang mit Demonstrationen und Protestaktionen.Â
Ăberdurchschnittlich hoch ist der Anteil der Menschen, die bei der Befragung der Stiftung angaben, Juden nicht zu trauen, auch unter SpĂ€taussiedlern (18 Prozent). SpĂ€taussiedler sind Menschen deutscher Herkunft, die nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, aus Osteuropa und der frĂŒheren Sowjetunion nach Deutschland eingewandert sind.
Vorbehalte gegen Homosexuelle
Die Autorin der Studie «Einwanderungsgesellschaft im Wandel», Sabine Pokorny, hat auĂerdem interessiert, wie Zuwanderer und ihre Nachkommen auf HomosexualitĂ€t blicken. Unter Deutschen ohne Migrationshintergrund ist die Ablehnung Homosexueller demnach inzwischen die Ausnahme.Â
Deutsche mit Migrationshintergrund sowie AuslĂ€nderinnen und AuslĂ€nder lehnen Homosexuelle zwar nun seltener ab als vor zehn Jahren. Allerdings liegt das Niveau der Ablehnung in diesen Gruppen immer noch bei 18 Prozent beziehungsweise 19 Prozent. Zum Vergleich: Von den befragten Deutschen ohne Migrationshintergrund stimmten laut KAS-Studie sieben Prozent der Aussage «Ich will keine homosexuellen Freunde» zu.Â
Die Ergebnisse zeigen auch, dass jeweils rund ein Viertel der Musliminnen und Muslime sowie der orthodoxen Christen keine homosexuellen Freunde möchte.Â
Blick auf Leben in Deutschland leicht eingetrĂŒbt
Die Frage «Leben Sie alles in allem gerne in Deutschland?» beantworten zwar ĂŒber alle untersuchten Gruppen hinweg jeweils mehr als 90 Prozent der Befragten mit «Ja». Allerdings ist der Anteil im Vergleich zur Erhebung von 2015 jeweils leicht gesunken.Â
Minderheit fĂŒhlt sich immer mit Respekt behandelt
Von den Deutschen ohne Migrationsgeschichte fĂŒhlen sich 37 Prozent immer mit Respekt behandelt. Von den Menschen mit Migrationshintergrund antworteten 39 Prozent auf die Frage: «FĂŒhlen Sie sich in Deutschland mit Respekt behandelt?» mit «Ja, immer». Dass dieser Wert fĂŒr AuslĂ€nder mit 52 Prozent deutlich höher liegt, mag verschiedene GrĂŒnde haben. Eine denkbare Variante ist, dass der Vergleich mit der Situation im Herkunftsland womöglich noch eine gröĂere Rolle spielt als bei den Menschen mit Migrationshintergrund.Â
Klar ist: Im Vergleich zur Befragung 2015, als in allen drei Gruppen jeweils 56 Prozent den Eindruck hatten, man begegne ihnen stets mit Respekt, wird hier ein negativer Trend sichtbar.





