Neue Möglichkeiten fĂŒr Verfassungsschutz - Spionage im Fokus
27.10.2025 - 13:39:33Der Verfassungsschutz soll 75 Jahre nach seiner GrĂŒndung robuster aufgestellt werden, um besser gegen Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und auslĂ€ndische Einflussnahme - vor allem aus Russland - gewappnet zu sein. «In Zeiten hybrider Bedrohungen und auslĂ€ndischer Einflussnahme ist es wichtiger denn je, dass wir unsere Verfassung aktiv verteidigen», erklĂ€rt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) anlĂ€sslich des 75. JubilĂ€ums des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz (BfV). Die schwarz-rote Koalition werde die rechtlichen und technischen Voraussetzungen schaffen, um das BfV «zukunftsfest» zu machen.
Koalition hat neue Regeln fĂŒr Nachrichtendienste vereinbart
Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD heiĂt es: «Zur StĂ€rkung unserer nationalen SouverĂ€nitĂ€t und der operativen FĂ€higkeiten unserer Nachrichtendienste, und um mit der LeistungsfĂ€higkeit relevanter europĂ€ischer Partnerdienste wieder Schritt zu halten, streben wir eine grundlegende verfassungskonforme, systematische Novellierung des Rechts der Nachrichtendienste des Bundes an, einschlieĂlich der rechtlichen Rahmenbedingungen fĂŒr einen effektiven und effizienten Datenaustausch zwischen den Diensten und anderen Behörden». Gleichzeitig wolle man - das war vor allem der SPD wichtig - fĂŒr «effektivereÂ
Kontrollstrukturen und zielgerichtetere Kontrollen nach den jeweiligen MaĂgaben des Bundesverfassungsgerichts, auch durch den Deutschen Bundestag» sorgen.
Sicherheit ist knappes Gut
«Sicherheit ist wieder ein Ă€uĂerst knappes Gut, das aktiv von unseren Gegnern und systemischen Rivalen verknappt wird», erklĂ€rt der BfV-PrĂ€sident, Sinan Selen. Es gelte daher, die Sicherheitsarchitektur zu hĂ€rten - «technisch, physisch und mental».Â
FĂŒr Selen ist seine Ansprache bei der Feierstunde im Bundesinnenministerium, die von Dutzenden Vertretern der Sicherheitsbehörden besucht ist, gleichzeitig auch seine Antrittsrede. Der frĂŒhere BfV-VizeprĂ€sident hat sein neues Amt am 8. Oktober angetreten. Dobrindt sagt, er habe Selen den Auftrag gegeben, daran mitzuwirken, den Informationsaustausch der deutschen Sicherheitsbehörden mit Blick auf hybride Bedrohungen effektiver zu organisieren.Â
Lorbeeren fĂŒr den neuen Behördenchef
Der Bundesinnenminister erklĂ€rt, weshalb seine Wahl auf Selen fiel, der die Behörde nach dem Ausscheiden von Thomas Haldenwang Ende 2024 gemeinsam mit VizeprĂ€sidentin Silke Willems leitete. Dobrindt sagt, Selen habe sich schon als VizeprĂ€sident «einen herausragenden Ruf erarbeitet als versierter und integrer Fachmann». An den neuen BfV-PrĂ€sidenten gewandt, verrĂ€t der Minister, dass es «ein groĂer Wunsch von Ihnen auch war, an der Spitze des Verfassungsschutzes zu stehen».Â
Und noch ein Detail enthĂŒllt der Minister in seiner Ansprache: Vom BfV sei ihm einmal ein ganz spezieller «Flaschenöffner» mitgegeben worden, den er spĂ€ter - sicherheitshalber - ganz hinten in seinem Regal platziert habe. Das weckt natĂŒrlich die Neugier der Zuhörer. Doch es war nur ein Scherz und auf Nachfrage ist zu erfahren: Der mysteriöse Flaschenöffner mit dem Logo der Behörde enthĂ€lt weder eine geheime Kamera noch ein AbhörgerĂ€t.
GrĂŒndung zu Beginn des Kalten Krieges
Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz wurde am 7. November 1950 gegrĂŒndet - mit Zustimmung der Westalliierten. Die sahen den neuen Nachrichtendienst damals auch als Bollwerk gegen sowjetische Spionage und kommunistische Unterwanderung.
Nachdem bis vor einigen Jahren vor allem Rechtsextremismus und islamistischer Terrorismus die Arbeit des Verfassungsschutzes bestimmten, beschĂ€ftigt sich das BfV seit einiger Zeit wieder intensiv mit der Abwehr von Spionage, Sabotage und anderen Formen hybrider Bedrohung. Dabei gehe es nicht um einen Spannungs- und Verteidigungsfall, den es in der Zukunft zu vermeiden gelte, sondern um das, was heute geschieht. Die Anzahl der Gegner und ihre Geschwindigkeit habe sich drastisch erhöht.Â
Der frĂŒhere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio zeichnet in seiner Festrede zum 75-jĂ€hrigen Bestehen des BfV das Bild einer krisengeplagten Zeit, die geprĂ€gt sei von vielen Unsicherheiten - unter anderem, was die weitere politische Entwicklung in den USA betrifft. Zudem beklagt er eine den «Verfeindlichung des politischen Klimas» in Deutschland durch Radikale am rechten und linken Rand.





